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Prüfungsfreier Übertritt ins Gymnasium: Die Mitte bleibt skeptisch

9. März 2026 – Der Kantonsrat hat ein Postulat zur Prüfung eines prüfungsfreien Übertritts ins Gymnasium diskutiert. Die Mitte hat diesen Vorstoss nicht unterstützt.

Wir anerkennen die Anliegen der Postulantinnen und Postulanten, insbesondere in Bezug auf die Chancengleichheit sowie die Diskussion über die Belastung durch Prüfungsvorbereitungen. Gleichzeitig sind wir jedoch der Ansicht, dass ein prüfungsfreier Übertritt ins Gymnasium nicht die geeignete Lösung darstellt.
Die Unterschiede bei den Übertritten zwischen den Zürcher Gemeinden hängen stark mit sogenannten primären und sekundären Herkunftseffekten zusammen. Ein prüfungsfreier Zugang würde diese Unterschiede jedoch nicht beseitigen, sondern das Aufnahmeverfahren lediglich verlagern – etwa auf Noten oder Empfehlungen – ohne das Ziel der Chancengleichheit systematisch zu erreichen.
Zudem hat sich die zentrale Aufnahmeprüfung als wichtiges und verlässliches Instrument bewährt. Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler schliesst das Gymnasium erfolgreich ab, was für die Stabilität des heutigen Systems spricht.
Auch aus bildungswissenschaftlicher Sicht wird eine Abschaffung der Aufnahmeprüfung kritisch beurteilt. So weist Bildungsforscher Stefan Wolter darauf hin, dass Kantone ohne Aufnahmeprüfung deutlich mehr Schülerinnen und Schüler im Gymnasium haben, die eigentlich nicht über die notwendigen Kompetenzen verfügen. Während in Systemen mit Aufnahmeprüfung – wie im Kanton Zürich – der Anteil solcher Fälle unter fünf Prozent liegt, kann er ohne standardisierte Prüfung bis zu einem Viertel betragen.
Eine Abschaffung der Aufnahmeprüfung würde zudem neue Probleme schaffen: Der Druck könnte sich stärker auf die Notengebung und die Lehrpersonen in den Schulen verlagern. Ohne Prüfung würde das Aufnahmeverfahren lediglich auf später verschoben. Die Drop-Out-Quote würde tendenziell höher werden, was nicht wünschenswert wäre.
Für die Mitte ist deshalb klar: Eine pauschale Abschaffung der Aufnahmeprüfung ist nicht der richtige Weg. Stattdessen sollten wir gezielt Massnahmen prüfen, die die Chancengerechtigkeit stärken, ohne ein bewährtes System grundsätzlich in Frage zu stellen.